Von den einen verflucht als Zeichen der Schwäche, von den anderen geliebt als Hilfsmittel, das einen großen Teil Freiheit zurückbringt: der Rollator.

Der Vorgänger des Rollators: Das Gehgestell

Ein Gehgestell, auch Gehbock genannt, bietet mehr Stabilität und Standsicherheit als Krücken und Gehstöcke. Sie werden vor allem in der Rehabilitation genutzt, in der dieses Mehr an Stabilität und Entlastung gerade nach Operationen notwendig und gewünscht ist.
Zur Fortbewegung werden beide Arme genutzt, um das Gehgestell vor dem nächsten Schritt nach vorne zu versetzen. Dabei lastet Körpergewicht während des Anhebens des Hilfsmittels in der Vorwärtsbewegung auf den Beinen des Betroffenen, weshalb nach Wegen gesucht wurde, um nicht nur im Stehen, sondern auch in der Bewegung eine Entlastung zu bieten. Die Entwicklung gipfelte in den bekannten Rollatoren, die es inzwischen in den unterschiedlichsten Ausführungen gibt.

Rollatoren

Rollatoren verbinden den Vorteil der erhöhten Standsicherheit und Entlastung im Stehen mit der Bewegungsfreiheit der Krücken und Gehstöcke. Doch eine Universallösung für alle Situationen ist ein Rollator meist auch nicht, so dass vor der Anschaffung überlegt werden sollte, in welchen Situationen dieser genutzt werden soll.

Wird er zum Einkaufen genutzt? Dann sollte er über ein Gepäcknetz verfügen.
Soll er zwischendurch zum Verschnaufen genutzt werden? Dann wird ein Modell mit Sitzfläche benötigt.
Je nachdem, wie groß die Gangunsicherheit oder wie ausgeprägt eine Gleichgewichtsstörung ist, ist ein anderes Bremssystem zu bevorzugen. Es gibt Modelle, die über eine Bremse wie bei einem Fahrrad verfügen und solche, die sich nur bewegen lassen, wenn die Bremse gelöst wird.
Wird mit Rollator gereist? Dann ist ein zerlegbares oder zumindest ein leichtes Modell zu wählen, das dann aber evtl. weniger stabil ist als ein fest montiertes.
Erfolgt die Nutzung ausschließlich drinnen oder auf befestigten Gehwegen, reichen die Standard-Rollen meist aus. Soll der Rollator überwiegend draußen und evtl. sogar auf unbefestigtem Untergrund genutzt werden, empfehlen sich spezielle Outdoor-Räder.
Standard-Rollatoren sind schon für unter 100 € erhältlich. Je nach Material und Ausstattung kann sich der Preis auch auf mehrere hundert Euro belaufen, z.B. bei einem faltbaren Carbon-Rollator, der sehr wenig wiegt, aber mit bis zu 120 kg belastet werden kann.

Der Rollator im Alltag

In Deutschland nutzen schätzungsweise drei Millionen Menschen einen Rollator als Gehhilfe, täglich werden es mehr. Insofern sind immer mehr Fachgeschäfte darauf ausgerichtet, bei der Auswahl des passenden Modells zu unterstützen, dieses zu beschaffen und zur sicheren Nutzung anzuleiten.

In unserem Blogartikel finden Sie den Link zum Hilfsmittelkatalog der gesetzlichen Krankenkassen. Anhand dessen können Sie überprüfen, ob das von Ihnen bevorzugte Modell zu den Rollatoren gehört, deren Anschaffungskosten von der Krankenkasse übernommen bzw. erstattet werden.  

Neben den Kosten bedarf die Anschaffung des richtigen Rollators, mit dem man sicher und bequem unterwegs ist, einiger weiterer Vorüberlegungen.

1: Sinn und Unsinn des Rollators
Der Sinn eines Rollators geht weit über den Ausgleich orthopädischer und neurologischer Defizite hinaus. Er ist ein nützliches Werkzeug, um ein Höchstmaß an Selbstbestimmung zu sichern und eine aktive Lebensgestaltung zu ermöglichen. Wer sich mit dem Rollator wieder auf den Weg macht, verlängert sein Leben mit jedem sicheren Schritt an der frischen Luft und gewinnt Lebensmut zurück.
Unsinnig ist es dagegen, so lange auf einen Rollator zu verzichten, bis noch schwerere Stürze und deren Folgen den Einsatz eines Rollators erzwingen, um ein Mindestmaß an Mobilität zu erreichen.  

2: Keine Experimente – den Rollator richtig montieren Der richtige Zusammenbau des Rollators ist eine wichtige Voraussetzung für die korrekte und vor allem sichere Anwendung. Wer sich nicht zutraut, oder körperlich nicht in der Lage ist, seinen – meist als Bausatz angelieferten – Rollator selbst zusammenzubauen, sollte die Gehhilfe an den Sanitätshändler seines Vertrauens liefern und von diesem zusammenbauen lassen.

3: Nicht von der Stange – Rollatorgriffe korrekt einstellen Ebenso wie Krücken und Gehstöcke sind Rollatoren zwar für einen bestimmten Einsatzbereich (z.B. Gewicht oder Körpergröße) geeignet, müssen aber dennoch auf die persönlichen Gegebenheiten eingestellt werden. Das bedeutet beim Rollator vor allem, die Griffstücke sicher zu montieren und auf die korrekte Körperhöhe zu justieren.
Heimwerker sollten darauf achten, dass die Arme leicht angewinkelt sein müssen und die Gehhilfe nicht mit ausgestrecktem Arm, sondern nah am Körper geschoben wird. Das erleichtert nicht nur die Bewegung, sondern reduziert auch das Sturzrisiko.

4: Die Nutzung üben Wird der Rollator zum Einkaufen genutzt, sollte er nicht zu voll gepackt werden, da er ansonsten instabil werden könnte. Mehrfach kurze Wege zu bewältigen ist ohnehin gesünder als ein Gewaltmarsch.
Wird der Rollator für kurze Sitzpausen genutzt, ist das Betätigen der Feststellbremse zu üben, gerne verbunden mit einem Merksatz, wie z.B. „erst bremsen, dann hocken“.  
Sind auf den gewohnten Wegen Barrieren zu überwinden, ist das zunächst zu üben. Ggf. ist es sinnvoll, den Umgang mit einer serienmäßigen Ankipphilfe zu üben oder diese nachzurüsten.

5: Reisen mit Rollator Können größere Strecken noch mit dem Pkw bewältigt werden und dient der Rollator nur zur Unterstützung auf kurzen Strecken, sollte das Zusammenklappen und Verstauen im Kofferraum oder auf der Rückbank geübt werden. Erfolgt die Fahrt mit Begleitperson, sollte auch diese das Zusammenklappen und vor allem das sichere Auseinanderfalten des Rollators üben. Ein- und Aussteigen erfolgen selbstverständlich nur mit aktivierter Feststellbremse.

Auf Flugreisen muss der Rollator meist aufgegeben werden. Für den Transport am Flughafen wird Gehbehinderten dann meist ein Rollstuhl mit Begleitperson zur Verfügung gestellt. Damit der Rollator den Flug im Gepäckabteil sicher übersteht, darf zuvor in eine Transporttasche investiert werden.

 

 

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