DAVOS ist ein Projekt, das vom Innovationsausschuss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) finanziert wird. Der G-BA ist das höchste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung im deutschen Gesundheitswesen. Er ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt, aber in Fachkreisen anerkannt (und sehr einflussreich).
In diesem Projekt bündeln und koordinieren das Hessische Institut für Pflegeforschung, die Frankfurt University of Applied Sciences und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ihre Forschungsaktivitäten zu Depressionen im Altenpflegeheim und in der Behandlung.
In der Psychiatrie ist schon länger bekannt, dass depressive Störungen in höherem Alter häufig anders verlaufen als bei jüngeren Patienten.

Zur Diagnose einer Depression müssen Grundsymptome und Nebensymptome vorliegen.

Dr. Lutz M. Drach und PD Dr. Martin Haupt von der Deutschen Gesellschaft für Gerontopsychiatrie und -psychotherapie e.V. (DGGPP) berichten hierzu auf dem gemeinsamen Infoportal der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie, Psychosomatik, Nervenheilkunde und Neurologie aus Deutschland und der Schweiz Folgendes:

„Bei etwa 90 % der Betroffenen sind die vordergründigen Anzeichen einer Depression eher körperlicher Natur und werden oft dem Alterungsprozess zugerechnet. Bezeichnend ist, dass die Betroffenen häufig ihren allgemeinen Gesundheitszustand und weniger ihren Gemütszustand beklagen. So drängt die Sorge um den Allgemeinzustand die nur langsam zunehmenden psychischen Beschwerden, die bei jüngeren Patienten von Beginn an überwiegen, vorerst in den Hintergrund.
Erst später werden die psychischen Veränderungen deutlicher: Bisher geliebte Aktivitäten oder Menschen werden unwichtiger, die Stimmung ist über Tage gedrückt, ohne Möglichkeit der Aufheiterung. Der Patient zieht sich immer weiter zurück, mag die eigenen vier Wände nicht mehr verlassen. Hierdurch wird ein Teufelskreis in Gang gesetzt: Aufgrund des sozialen Rückzugs erlebt der Betroffene nichts Positives mehr, die negativen Gedanken überwiegen, der Patient kommt sich immer nutzloser vor, mangelnde Aktivität verstärkt die Schlaflosigkeit usw. Die scheinbar selbstgewählte Isolation und vermeintlich schlechte Laune des depressiven Patienten verunsichern sein soziales Umfeld. Familie, Freunde und Bekannte ziehen sich zurück. Die Isolation wird immer größer.

Zu den möglichen körperlichen Anzeichen einer Altersdepression gehören:

  • Kopfschmerzen
  • Rücken- und Gliederschmerzen
  • Magen-Darm-Beschwerden, speziell Verstopfungen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Atemprobleme
  • Schwindelgefühle
  • Missempfindungen („Kribbeln“ am Körper)
  • Appetitlosigkeit mit einhergehendem Gewichtsverlust
  • Schlafstörungen: 90 % der Patienten leiden an Ein- und Durchschlafstörungen sowie morgendlichem Früherwachen, 10 bis 15 % an ausgeprägter Tagesschläfrigkeit.
  • Permanente Müdigkeit
  • Innere Unruhe
  • Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • Selbstverletzungen

Zu den psychischen Beschwerden, die man einer depressiven Erkrankung zuordnet und daher als deren Hauptsymptome bezeichnet, zählen:

  • Antriebs- und Lustlosigkeit
  • Emotionales Abstumpfen, an nichts mehr Freude haben
  • Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen bzw. der Umgebung
  • Rückzug aus dem sozialen Umfeld
  • Plötzliche Weinanfälle
  • Selbstzweifel, Gefühle der Wertlosigkeit, Destruktivität
  • Nachdenken über den Tod, Selbstmordgedanken


Bei depressiven Männern machen sich zudem nicht selten eine hohe Reizbarkeit bzw. Aggressivität, Ärger-/Wutanfälle, Feindseligkeit selbst geliebten Menschen gegenüber sowie verstärktes Suchtverhalten bemerkbar. Schwere Depressionen können von sogenannten psychotischen Symptomen, z.B. Wahnvorstellungen oder Halluzinationen begleitet werden.“

Sollten Sie über mehrere Wochen bei Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen mehrere der von Dr. Drach und PD Dr. Haupt genannten Symptome feststellen, empfiehlt es sich, den behandelnden Arzt darauf anzusprechen, ob evtl. eine depressive Verstimmung vorliegen könnte. Eine sorgfältige, z.B. labormedizinische, Untersuchung gibt Gewissheit und ermöglicht eine rasche und angemessene Behandlung. Antidepressiva verbessern nicht nur die Stimmung, der durch sie normalisierte Serotoninspiegel verringert auch die Schmerzanfälligkeit.

Mehr zum Projekt DAVOS finden Sie hier:
https://www.hessip.de/projekte/aktuelle-projekte/davos/

 

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