Noch schnell ein paar letzte Absprachen für den morgigen Tag treffen, während das Smartphone oder Handy schon das bevorzugte Spiel geladen hat und im Hintergrund der Fernseher ins Zimmer brabbelt. Oder mit dem Kopf schon im Büro und nur mit den nötigsten Fertigteilbausätzen auf etwas Gesagtes reagieren. Vielleicht auch mit jemandem zusammensitzen und gar nicht richtig da sein, weil einem noch 99 … „ach ne! Das hätte ich fast vergessen, 100!“ Dinge durch den Kopf gehen.
Daran erkennt man einen Mangel an Qualitätszeit.

Als Qualitätszeit werden gemeinhin die Momente bezeichnet, die wir exklusiv mit einer Person oder der Familie verbringen. Dazu gehört, dass unsere Aufmerksamkeit völlig beim Gegenüber und dem allgemeinen Geschehen ist. Nicht dazu gehören: Fernseher, Smartphone & Co. Die dürfen derweil ein wenig für sich alleine chillen und auf den nächsten Einsatz warten.

Auf Alfred Adler, Begründer der Individualpsychologie und Vorreiter der modernen Pädagogik, geht die Faustregel zurück: „Jedes Kind braucht 1 Stunde Qualitätszeit am Tag“. „Qualitätszeit“ wohlgemerkt, keine zufällig im gleichen Auto oder vor demselben Fernseher verbrachte.
Vielmehr ist eine „gleichschwebende Aufmerksamkeit“ gefragt. Damit meinen Psychotherapeuten, dass sie alles wahrnehmen, was geschieht, aber entscheiden, worauf sie wie reagieren. Zum Beispiel könnte man in der Qualitäts-Stunde mit den Kindern auf Erziehung verzichten und einfach nur mal zuhören, wenn sich die kleinen Herzen ausschütten oder entspannt spielen, ohne die Regeln zu ernst zu nehmen.

Qualitätszeit mit Senioren kann auch von dieser gleichschwebenden Aufmerksamkeit profitieren. Und zwar, indem wir nicht nur anwesend sind, sondern auch DA. Dazu gehört vor allem aktives Zuhören. Durch ein gelegentliches „Ja“, Brummen, Nicken, das Wiederholen von Gesagtem wie „das hätte ich mir bei Helmut Schmidt auch nicht vorstellen können“ etc.
Noch schöner wird die gemeinsam verbrachte Zeit, wenn sie genutzt wird, um neue schöne Erinnerungen zu erschaffen. Das Gehirn verknüpft schließlich ständig alle neuen Sinneseindrücke mit bereits gespeicherten Erinnerungen und von dieser Ressource haben Senioren mehr als genug. Es ist also unsere Aufgabe, ausreichend neue Eindrücke zu vermitteln, so dass nicht immer die gleichen, sondern auch mal neue Erinnerungen aktiviert werden.

Das in Holland erfundene 'Snoezelen' ist eine Methode, viele Sinne anzusprechen und zu reaktivieren. Jedoch ist das ein teures Vergnügen, ein Anfängerset kostet leicht 1.500 – 1.999 € (siehe Sport-Thieme). Zum Glück gibt es auch Menschen, die Anleitungen erstellen, wie die gleichen Effekte mit Haushaltsgegenständen erzielt werden können. Zum Beispiel hier.

Eine andere Möglichkeit ist das Vorlesen. Insbesondere Märchen. Auch historische Romane aus der Heimatstadt, in der die Kindheit verbracht wurde, eignen sich, um Erinnerungen zu aktivieren. Es ist dabei nicht wichtig, ob wirklich bis zum Ende vorgelesen wird. Viel wichtiger ist zuzuhören, wenn die Erinnerungen einsetzen und diese erzählt werden. Ein besonders schönes Buch, das in die Jahreszeit passt und sich zum Vorlesen eignet, möchten wir euch vorstellen:

'Weihnachts-Märchen aus aller Welt' ist ein Taschenbuch, in dem sich von Santa Claus über Väterchen Frost bis Ochs und Esel bei der Krippe auf 480 Seiten allerlei muntere Gesellen durch die verschiedensten Weihnachtsgeschichten aus aller Welt tummeln.

Das in Leinen gebundene Buch ist im Anacondaverlag erschienen, kostet 9,95 € und kann unter der ISBN-Nummer 978-3730601518 bestellt werden.

Wir wünschen viel Spaß beim (Vor-)Lesen und freuen uns auf weitere Ideen und Vorschläge für Qualitätszeit mit unseren Pflegebedürftigen.

 

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