Neben ambulantem Pflegedienst und pflegenden Angehörigen liest man gelegentlich von Alltagsbegleitern und Betreuungsassistenten. Wir geben einen Überblick, was diese leisten können und wie man ihren Einsatz finanziert.

Früher hieß es (Kinder-)Krankenschwester/-pfleger oder Altenpfleger. Nach einer Übergangsphase, in der von  Kranken- und Gesundheitspfleger, Altenpfleger und Sozialpfleger die Rede war, wird die Ausbildung der Pflegeberufe künftig harmonisiert und durch die Ausbildung zur Pflegefachfrau/zum Pflegefachmann ersetzt. Doch neben den Pflegeberufen gibt es inzwischen auch eine Vielzahl von Laienkräften, die ihre Dienste am Pflegemarkt anbieten. Sogenannte Alltagsbegleiter und Betreuungsassistenten gehören dazu.

Nach § 43b SGB XI haben stationär betreute Pflegebedürftige seit 2017 einen Anspruch auf zusätzliche Betreuung und Aktivierung. Die Pflegeheime können dafür zusätzliches Pflegepersonal einstellen, das diese Aufgaben übernimmt. In der Regel handelt es sich dabei nicht um examinierte Pflegekräfte, sondern um Pflegeassistenten, die auf konkrete Anweisung von Fachkräften arbeiten oder in einem eng gesteckten Rahmen alltägliche Aktivitäten anbieten wie Spaziergänge, Basteln, Gesellschaftsspiele etc.

Bei der Pflege daheim ist es natürlich auch wünschenswert, den Pflegebedürftigen nicht nur eine Grundversorgung über den Pflegedienst, sondern auch zusätzliche Aktivierung oder Betreuung bei außerhäuslichen Aktivitäten zu gönnen. Oder sie nicht die meiste Zeit des Tages alleine zu lassen, wenn die Pflegeperson noch berufstätig ist.

Pflegedienste setzen examinierte Pflegekräfte ein, die ihren Preis haben. Es kann daher von Vorteil sein, nur ganz bestimmte Pflegetätigkeiten, z.B. die Grundpflege oder medizinische Versorgungen, vom ambulanten Pflegedienst erbringen zu lassen und einen Teil der Betreuung auf Laienkräfte wie z.B. Alltagsbegleiter zu verlagern.


Zum Beispiel, wenn die Pflegeperson noch berufstätig ist und der Pflegebedürftige nach der morgendlichen Grundpflege über den Tag hinweg keine weitere Ansprache hätte.


Auch Essen auf Rädern oder andere Bring-Dienste lassen sich leichteren Herzens beauftragen, wenn zum Zeitpunkt der Lieferung und während der Mahlzeit eine Vertrauensperson anwesend ist.


Manche Alltagsbegleiter bieten nicht nur Unterstützung bei der Alltagsgestaltung (zum Beispiel in Form von Spaziergängen, Begleitung zu Seniorengruppen), sondern auch Haushalts- und Gartenhilfe oder Unterstützung bei der Korrespondenz an.


Die Bezeichnung Alltagshelfer ist gesetzlich nicht geregelt. Wer sich allerdings Betreuungsassistent oder Betreuungskraft (nach §§ 43b und 53c des elften Sozialgesetzbuchs) nennen möchte, muss erfolgreich eine Qualifizierungsmaßnahme von wenigstens 160 Stunden sowie ein zumindest zweiwöchiges Praktikum absolvieren. Altenpflegehelfer absolvieren sogar eine einjährige Ausbildung. Sie arbeiten zwar unter Anleitung und Aufsicht einer examinierten Pflegefachkraft und übernehmen überwiegend pflegerische Tätigkeiten. Um sich Gesundheits- und Pflegeassistent:in zu nennen, ist aber eine mehrjährige Berufsausbildung erforderlich.

Finanzierung

Über die Steuererklärung kann ein Teil der Leistungen der Alltagsbegleiter finanziert werden, sofern diese als haushaltsnahe Dienstleistungen abgesetzt werden können. Details dazu finden Sie in unserem Beitrag Haushaltsnahe Dienstleistungen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann auch eine anteilige Erstattung über die Pflegeversicherung erfolgen. Hierzu stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Bei Nachbarschaftshilfe als Barzahlung, z.B. als Fahrtkosten- und Aufwandsersatz.

  • Leistung auf Rechnung durch einen nach Landesrecht anerkannten Dienstleister. Dessen Rechnung kann ein Antrag auf Kostenerstattung nach dem Entlastungsbetrag gemäß §45b SGB XI beigefügt werden, hierfür stehen 125 €/Monat zur Verfügung.

  • Wurde ein Pflegedienst mit der ambulanten Pflege beauftragt und werden die Pflegesachleistungen der vorliegenden Pflegestufe nicht vollständig in Anspruch genommen, kann beantragt werden, Pflegesachleistungen in „Betreuungsdienstleistungen umzuwandeln“. Das geht ab Pflegegrad 2, sofern nicht mehr als 40 % der Pflegesachleistungen umgewandelt werd

 

Eine Beispielrechnung:
Eine pflegebedürftige Person mit Pflegegrad 3 wird daheim gepflegt. Ab 01.01.2022 stehen dazu 1.363,00 €/Monat Pflegesachleistung zur Verfügung.

Der Pflegedienst wird mit der erforderlichen Grundpflege beauftragt. Die Grundpflege kostet laut Pflegerechner (auf Pflegeberatung.de) bei Pflegegrad 3 in NRW ca. 550 €/Monat.

Drei Mal Einkaufen pro Woche, werktägliches Aufwärmen von Speisen und Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme sowie eine wöchentliche Grundreinigung der Wohnung schlagen bei demselben Pflegedienst noch mit 613 €/Monat zu Buche.

Von den zur Verfügung stehenden 1.363 € werden 1.163 € für den Pflegedienst verbraucht. Es könnten also noch 200 €/Monat für Betreuungsleistungen umgewandelt werden. Zzgl. der monatlichen 125 € für Entlastungsleistungen stünden also 325 €/Monat für Alltagsbegleiter zur Verfügung. Diese berechnen durchschnittlich 25 €/Stunde, so dass 13 Stunden Alltagsbegleitung je Monat organisiert werden können.

Werden Wohnungsreinigung und Unterstützung bei der Einnahme der werktäglichen Mittagsmahlzeit vom Pflegedienst auf einen Alltagsbegleiter verlagert, so lassen sich weitere 24 Stunden umwandeln, wenn die 613 € nicht verbraucht werden durch Beauftragung des Pflegedienstes. Das macht dann 37 Stunden/Monat und damit fast 2 Stunden werktäglicher Ansprache, Betreuung und Unterstützung. Eine so lange Betreuung, zumal über die Mittagszeit, lassen für die Pflegebedürftigen den Tag auch schneller vergehen.

Ein wenig Rechnen und Vergleichen kann sich schnell lohnen. Zum Beispiel wenn die richtigen Umverteilungen es ermöglichen, ohne Mehrkosten einen Alltagshelfer in den häuslichen Pflegealltag einzubinden und damit die Lebensqualität des Pflegebedürftigen zu erhöhen.

 

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