Vorstellung unseres Interview-Partners Michael Küsters, freier Versicherungsmakler

Michael Küsters, Jahrgang 1961, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Töchter. Der Diplom-Kaufmann (RWTH Aachen), Versicherungsfachmann (IHK) und  Bewegungsfetischist lebt und arbeitet im linksrheinischen Wegberg, getreu dem Grundsatz: Gesund alt werden und dabei geistig fit bleiben.
Von 1989 bis 2012 arbeitete er als Headhunter in großen US-amerikanischen Firmen. 2012 erfolgte der Quereinstieg als Makler in die Versicherungswirtschaft. Ein Schwerpunkt liegt in der Beratung von biometrischen Risiken (Themen, die keiner hören will, jedoch allgegenwärtig sind: wie z.B. Berufsunfähigkeit, Krankheit, Tod und Pflege). Mehr als 300 Kunden schätzen seine offene und nachhaltige Beratung.

miCARE:
Guten Tag Herr Küsters und vielen Dank, dass Sie uns für dieses Interview zu einem sehr wichtigen Thema zur Verfügung stehen: Die Versorgungslücke in der Pflegeversicherung.
Durch die Pflegereform 2021 hat sich die finanzielle Belastung der Pflegebedürftigen und der pflegenden und unterhaltspflichtigen Angehörigen nur marginal verändert (Anm. der Redaktion: Siehe unseren Blogbeitrag vom 18.06.21).

Zwischen den durchschnittlichen Pflegekosten und den Erstattungen der Pflegekasse zeigen sich nach den Berechnungen des von der Plattform www.smart-rechner.de betriebenen Pflegelückenrechners unterschiedliche und teils nicht unerhebliche Lücken, die aus der eigenen Tasche zu füllen sind:

Pflegegrad

/

Finanzlücke bei

1 2 3 4 5
häuslicher Pflege 0,00 € 121,00 € 82,00 € 1.043,00 € 1.365,00 €
teilstationären Pflege 1.600,00 € 1.208,00 € 736,00 € 561,00 € 287,00 €
Pflege im Heim 2.713,00 € 2.408,00 € 2.405,00 € 2.404,00 € 2.405,00 €

(Anm. der Redaktion: Für 2021 errechnet die Plattform unter www.smart-rechner.de/pflegeluecke/rechner.php aus Daten des statistischen Bundesamtes, der Pflegedatenbank und der Stiftung Warentest die oben genannten Lücken für NRW, tabellarisch zusammengestellt von der miCARE-Redaktion).)

Herr Küsters, was können unsere Leser tun, um die Situation zu entschärfen?

Michael Küsters:
Wie in vielen anderen Bereichen zählt auch hier: Wer rechtzeitig vorsorgt, wird belohnt. Eine im Alter lastenfreie Immobilie ist da viel wert, weil das Haushaltseinkommen nicht mit Mietzahlungen belastet wird und sich im Eigentum alters- und pflegegerechte Umbauten leichter realisieren lassen.
Allen anderen steht die Möglichkeit offen, eine private Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Auch hier lohnt sich frühzeitiges Handeln. Die Versicherungsprämien für eine Pflege-Tagegeldversicherung oder eine Pflegekosten-Zusatzversicherung sind in jungen Jahren sehr viel geringer. Bei der Pflege-Rentenversicherung werden über die längere Laufzeit wesentlich höhere Erträge erwirtschaftet.


miCARE:
Herr Küsters, wie finde ich denn die richtige Pflegezusatzversicherung für mich und meine Lieben?

Michael Küsters:
Pflegezusatzversicherungen sind sehr beratungsintensiv, da eine gute Beratung zu diesem wichtigen Thema einige Zeit benötigt und auf die individuellen persönlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse abgestimmt werden muss. Außerdem existieren derzeit drei unterschiedliche Arten von Pflegezusatzversicherungen: ++ Pflege-Rentenversicherung ++ Pflege-Tagegeldversicherung ++ Pflegekosten-Zusatzversicherung ++. Die Tarifbestimmungen und Leistungen variieren je nach Anbieter. Außer im Bereich der Pflege-Bahr-Versicherungen ist bei diesen Produkten leider keine direkte Vergleichbarkeit gegeben.

Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der umfangreichen Informationen zu den drei Pflegezusatzversicherungen:

-    Pflege-Rentenversicherung
-    Pflege-Tagegeldversicherung       
-    Pflegekosten-Zusatzversicherung

haben wir diese in eigene Interview-Abschnitte ausgelagert.

miCARE:
Riester- und Rürup-Rente sind den meisten Menschen inzwischen ein Begriff, Bahr jedoch nicht. Können Sie unseren Lesern bitte erklären, worum es sich dabei handelt?

Michael Küsters:
Pflege-Bahr-Versicherungen sind Pflegezusatzversicherungen, die öffentlich gefördert werden und so der breiten Masse, auch mit kleineren und mittleren Einkommen, die Möglichkeit öffnen, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen. Der Staat beteiligt sich mit bis zu 60,00 €/Jahr an den Prämien für solche Pflegezusatzversicherungen, sofern der Monatsbeitrag zumindest 20,00 € beträgt. Ferner leistet eine Pflege-Bahr-Versicherung schon ab Pflegegrad 1 und kann ohne vorherige Gesundheitsprüfung abgeschlossen werden. Die einzigen Voraussetzungen, die beim Vertragsabschluss erfüllt werden müssen, sind: Frühestes Eintrittsalter 18 Jahre, Mindestbeitrag 20,00 €, es besteht eine gesetzliche oder private Pflegeversicherung, es wurden noch keine Pflegeleistungen beantragt.
Es handelt sich um eine Pflege-Tagegeldversicherung, die im Pflegefall einen vereinbarten Tagessatz zahlt. Die Auszahlung richtet sich nach dem Pflegegrad. Bei Pflegegrad 5 erfolgt eine 100%ige Leistung, mindestens jedoch 600,00 €/Monat. Da sich Bahr-Versicherungen an einkommensschwächere Interessierte richten, kann bei einigen Anbietern die Beitragszahlung in schlechten Zeiten sogar ausgesetzt werden. Der Vertrag ruht dann, bis die Beitragszahlungen wieder aufgenommen werden.

miCARE:
Wie lautet Ihre persönliche Empfehlung an unsere Leser?

Michael Küsters:
Mein Tipp wäre, alle bisherigen Versicherungsverträge zusammenzustellen und einen Termin mit einem unabhängigen Versicherungsmakler oder Honorarberater zu vereinbaren. Manchmal können durch einen Tarifwechsel oder das Abschaffen unsinniger Versicherungen im Haushaltsbudget Mittel freigestellt werden, die dann in eine Pflegezusatzversicherung fließen können. Ein Pflege-Bahr-Vertrag sollte immer drin sein. Das ist gut investiertes Geld, das zumindest in der häuslichen und teilstationären Pflege einen ordentlichen Teil des Defizits ausgleicht. Ob zusätzlich eine Pflegekosten-Zusatzversicherung oder eine Pflege-Rentenversicherung Sinn machen, muss im Einzelfall geprüft werden.

miCARE:
Herzlichen Dank, Herr Küsters.

Das Interview führte Frank Max für die miCARE-Redaktion. Es wurde am 18.06.2021 geführt.


Weitere Artikel zu diesem Interview:

Pflegerentenversicherung
Pflege-Tagegeldversicherung
Pflegekosten(zusatz)-Versicherung

 

No comments

Add Comment

E-Mail addresses will not be displayed and will only be used for E-Mail notifications.
To leave a comment you must approve it via e-mail, which will be sent to your address after submission.

To prevent automated Bots from commentspamming, please enter the string you see in the image below in the appropriate input box. Your comment will only be submitted if the strings match. Please ensure that your browser supports and accepts cookies, or your comment cannot be verified correctly.
CAPTCHA

Submitted comments will be subject to moderation before being displayed.