Nicht nur bei der Ermittlung des Pflegegrads sind:

  • Die Fähigkeit, den Alltag zu gestalten und
  • die Möglichkeit zur Selbstversorgung

wichtige Prüfkriterien, so dass diese zusammengenommen mit 55% Gewichtung in die Einstufung des Pflegegrades einfließen. Bei genauer Betrachtung sind diese beiden Kriterien absolute Erfolgsfaktoren bei der Erhaltung einer - unterstützten - selbständigen Lebensführung.

Sie haben eine erhebliche Auswirkung darauf, welche oder wie viele weitere Hilfen organisiert werden müssen. Manchmal wird z.B. bei der Planung von Umbauten (behindertengerechtes WC, Badewannenlift, bodenebene Dusche) nur an die technische Seite gedacht, nicht jedoch daran, ob die neu geschaffenen Entlastungen von dem Pflegebedürftigen auch tatsächlich genutzt werden können.

Nicht alle Pflegebedürftigen sind bettlägerig, die meisten jedoch aufgrund ihrer gesundheitlichen Einschränkungen auf Hilfe bei der Bewältigung des Alltags angewiesen. Bauliche oder technische Unterstützungsmaßnahmen, die 'richtig zu Ende gedacht' werden, können einen erheblichen Beitrag dazu leisten, die verbliebene Autonomie bestmöglich zu nutzen und die Kosten für Hilfspersonal in annehmbarem Umfang zu begrenzen. Nachfolgend ein paar einfache Beispiele:

Kochmulden-Absenkung

Wird ein Rollstuhl benötigt, wird das Kochen an einem 'Norm-Herd' zur Herausforderung. Eine Absenkung der Kochmulde macht es zwar möglich, die Töpfe auf die Kochfelder zu stellen, jedoch bleibt ein Risiko zu stürzen oder sich zu verbrühen, weil die Distanz zwischen Kochfeld/-mulde und Tisch/Abstellfläche ebenfalls sicher zu überbrücken ist. Abhilfe schaffen da frei schwebende Kochmulden, die ein Unterfahren mit dem Rollstuhl ermöglichen. Oder gar die Integration von Kochfeld/Mulde in den Esstisch, so dass die Gefahren durch Verschütten oder Stürzen deutlich reduziert werden.

Backofen / Mikrowelle / Kombigeräte

Diese sollten idealerweise in der Höhe angebracht werden, die dem verbliebenen alltäglichen Bewegungsradius entspricht. Also für Rollstuhlfahrer weder zu hoch noch zu tief, bei Rollator-Nutzung in einer Höhe, die es ermöglicht, Kochgeschirr oder Fertiggerichte mühelos von der Rollator-Ablage in den Ofen zu geben und wieder herauszunehmen.

Anpassungen des Umfeldes

In beiden Fällen machen die kostspieligen Anpassungen nur Sinn, wenn auch das Umfeld den Anpassungen Rechnung trägt. Schubladen mit Koch- und Bratutensilien, eine Verlegung von Topflappen und Küchenrolle in den optimierten Bewegungsraum gehören zu einer sinnvollen Gesamtmaßnahme dazu. Ebenfalls gehört eine Notrufeinrichtung dorthin, wo ggf. etwas passieren kann. Oder in mehrfacher Ausfertigung an alle Stellen, an denen man sich gewöhnlich häufig aufhält. Wer sich durch sinnvoll durchdachte Anpassungen selbst versorgen kann, benötigt kein Essen auf Rädern oder eine Haushaltshilfe, die das Essen zubereitet.

Behindertengerechtes WC

Eine Erhöhung des WC-Sitzes bei Hüftproblemen oder der rollstuhlgerechte Umbau eines WCs sind ein guter Anfang. Wenn die Pflegeperson sich aber nicht mehr verdrehen kann, um sich nach der WC-Benutzung zu reinigen, sind die Umbaukosten leicht vergeudet. Dann ist eine persönliche Unterstützung zur Bewältigung eines Toilettengangs erforderlich. Ein Pflege-WC löst genau dieses Problem und erhöht damit die Fähigkeit zur selbständigen Lebensführung und gibt durch ein wenig mehr Freiheit und das Ersparen von Scham gegenüber einer evtl. Hilfsperson ein Stück Lebensqualität zurück.

Luft- und Bodenreinigung

Nicht nur in Zeiten von Corona ist eine saubere Luft ein guter Schutz vor Infektionen, z.B. durch Besucher. Ein Luftreiniger feuchtet die Luft ein wenig an, was den Schleimhäuten gut tut und zum allgemeinen Wohlbefinden beiträgt. Außerdem werden die unvermeidlichen Staubpartikel aus der Luft gefiltert und was nicht da ist, kann sich nicht als Hausstaub niederschlagen und reduziert die Notwendigkeit zum Staubwischen.
Bei Gangunsicherheiten, Halte-Problemen und Schwierigkeiten beim Bücken oder eingeschränktem Gleichgewichtssinn führt der Versuch, Staub zu saugen oder den Boden zu wischen, häufig zu stürzen, die dann Folgeschäden verursachen. Für manch rüstigen Rentner führte eine kleine Unsicherheit zu einem Sturz, der einen Oberschenkelhalsbruch zur Folge hatte, von dem man sich in vorgerücktem Lebensalter nicht mehr so leicht erholt wie in jüngeren Jahren.

Saugroboter können dieses Risiko minimieren helfen, indem sie das Staubsaugen übernehmen. Saug-Wisch-Roboter wischen sogar feucht durch und die Reinigungsintervalle können so deutlich verlängert werden. Da sie programmierbar und leise sind, können sie ihrer Arbeit auf Kommando oder in den Nachtstunden nachgehen und werden so selbst nicht zur Stolperfalle. In Verbindung mit einer bodenebenen Dusche - mit entsprechend gestalteten oder beschichteten Seitenteilen -wird eine Dusche somit leicht zu einer selbstreinigenden Einrichtung.

Weitere Anregungen und kompetente Fachberatung für Umfeldanpassungen und Umbauten erhalten Sie im Rahmen der Pflegeberatung und von den Wohnberatungsstellen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. https://www.wohnungsanpassung-bag.de/

Informationen zu Anpassungen im Bereich der Umgebung von Bad und WC finden Sie beispielsweise auch unter https://eu.toto.com/de/. Dort gibt es auch eine Liste von Händlern und Bäderstudios, in denen Sie sich die Produkte vorführen und erklären lassen können.

Welche Erfahrungen, Tipps und Anregungen können Sie hier weitergeben und somit einen kleinen Beitrag leisten? Welche Produkte und Maßnahmen haben bei Ihnen geholfen, den Alltag zu erleichtern?

 

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