In unserem Booklet 'Erste Hilfe im Pflegefall' stellen wir die Möglichkeit vor, Umbauten in der Wohnung von der Pflegekasse bezuschussen zu lassen, wenn diese Umbauten zur Folge haben, dass die Fähigkeit zur selbstständigen Lebensführung eines Pflegebedürftigen erhöht oder zumindest erhalten wird. In diesem Blogbeitrag möchten wir Ihnen eine Alternative zur Finanzierung notwendiger Umbauten vorstellen, und zwar durch die Zuschüsse und Kredite, die bei der KfW-Bank zur Finanzierung von altersgerechten Umbaumaßnahmen, insbesondere zur Barrierereduzierung, beantragt werden können.

Gelegentlich kommt es vor, dass von der Pflegekasse der Antrag auf Bezuschussung wohnumfeldverbessernder Maßnahmen nicht genehmigt wird oder der Zuschuss nicht ausreicht, um die notwendigen Umbauten zu finanzieren.
Daher möchten wir Sie gerne auf die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW-Bank) aufmerksam machen, die Zuschuss- und Finanzierungsprogramme anbietet, die altersgerechtes Umbauen und die Sicherstellung von Barrierefreiheit fördern sollen. Für die Beantragung von Zuschüssen bei der Pflegekasse muss eine Pflegestufe vorliegen. KfW-Mittel können jedoch auch ohne einen Pflegegrad beantragt werden, da sie die Schaffung von altersgerechtem Wohnraum fördern sollen.

Die positiven Folgen solcher Umbauten sind enorm, wie das Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat feststellte, als es 2020 eine Evaluation der seit 2009 bestehenden Förderprogramme durchführen ließ. Das hiermit beauftragte Institut für Wohnen und Umwelt, Darmstadt (IWU) kam zu dem Ergebnis, dass die Förderung der häuslichen Pflege die Pflegekassen jedes Jahr um 110 Mio. € entlastet, weil die stationäre Pflege dadurch aufgeschoben wird.

Welche Fördermittel für altersgerechtes Umbauen gibt es?

Der Investitionszuschuss (455-B) zur Barrierereduzierung kann beantragt werden, um Barrieren in der Wohnung und auf dem Zuweg zur Wohnung zu reduzieren und mehr altersgerechten Wohnkomfort zu schaffen. Hierzu gehören vor allem die Erleichterung des Zugangs zur Wohnung, Maßnahmen zur Überwindung von Treppen und Stufen, die Umgestaltung der Raumaufteilung, der Badumbau und technische Systeme, die den Alltag erleichtern (Notrufsysteme, Gebäudeautomation, Stütz- und Haltesysteme). Die Förderung wird in der Regel für Wohnungen sowie 1- und 2-Familienhäuser bewilligt. Die Gesamt-Fördermittel sind begrenzt, da jährlich ein Budget im Bundeshaushalt festgelegt wird. Der Investitionszuschuss ist vor Beginn der Umbaumaßnahmen zu beantragen. Mit den Baumaßnahmen darf erst nach Bewilligung des Zuschusses begonnen werden. Der Zuschuss beträgt 10,0 % der Investitionskosten (Material und Arbeitslohn von Fachunternehmen), maximal 5.000,00 € für Maßnahmen zur Barrierereduzierung. Er erhöht sich auf 12,5 %, also maximal 6.250,00 €, wenn die Umbaumaßnahmen dem Standard (altersgerechtes Haus) entsprechen.

Sind die Bundesmittel aufgebraucht und eilt der Umbau, oder reicht der Investitionszuschuss nicht aus, um die Umbaukosten zu decken, kann ein zinsgünstiger Kredit 159 Altersgerecht Umbauen beantragt werden. Über diesen können bis zu 50.000,00 € Umbaukosten finanziert werden. Am 30.06.2021 betrug der effektive Jahreszins 0,78 %. Laufzeiten zwischen 4 und 30 Jahren sind hierbei möglich mit bis zu zehnjähriger Zinsbindung und tilgungsfreien Anlaufzeiten von ein bis fünf Jahren. Anders als der Investitionszuschuss (455-B) zur Barrierereduzierung muss der Kredit 159 also zurückgezahlt werden.

Der Kredit soll dazu dienen, Ein- und Umbauten zu finanzieren, Barrieren im Wohnumfeld und in der Wohnung zu reduzieren oder vor Einbruch zu schützen. Hierzu zählt ebenfalls der barrierefreie Umbau von Badezimmern. Ebenfalls kann der Kredit zum Kauf von (bereits altersgerecht umgebautem) Wohnraum genutzt werden.

Wie werden KfW-Fördermittel beantragt?

Sowohl der Investitionszuschuss zur Barrierereduzierung als auch der Förderkredit zum altersgerechten Umbauen sind bei der Hausbank zu beantragen. Diese prüft den Antrag nach ihren allgemeinen Kreditvergabe-Richtlinien und leitet ihn dann vorgeprüft an die KfW weiter.

Seitens der KfW wird der Antrag dahingehend geprüft, ob der Zuschuss für eine oder mehrere der nachfolgenden Baumaßnahmen verwendet wird, die Barrierefreiheit herstellen oder eine altersgerecht selbstständige Lebensführung erleichtern:

  • Erleichterung des Zugangs zum Gebäude und der Wohnung, z.B. durch Verbreiterung der Zuwege und Maßnahmen, um Stufen und andere Hindernisse zu überwinden.
  • Umbauten in der Wohnung, z.B. durch Änderung der Raumaufteilung, Türverbreiterung, Schwellenbeseitigung.
  • Badumbauten, z.B. behindertengerechte Toiletten, bodenebene Duschen, Liftsysteme etc.
  • Schaffung oder Umgestaltung von Gemeinschaftsräumen in Mehrfamilienhäusern und Maßnahmen zur Gebäudeautomatisierung, Einbau von Kommunikationseinrichtungen, wie z.B. Notrufsysteme.
  • Kauf von altersgerecht (um-)gebautem Wohnraum, wobei die 12,5 % nur auf den Teil der Baukosten angerechnet werden, die auf eine der o.g. Maßnahmen entfallen.

Auf der Homepage der KfW finden Sie einen Vorab-Check, mit dem Sie prüfen können, ob Ihr Vorhaben den Anforderungen genügt:

Förderkredit  bzw. Investitionszuschuss
 

Auf diesen Webseiten finden Sie auch die Formulare, die Sie zur Beantragung des von Ihnen bevorzugten Fördermittels bei Ihrer Hausbank benötigen und einen detaillierten Überblick über förderfähige Baumaßnahmen.

Wohnberatungsstellen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V.

Gute Beratung und eine darauf aufbauende Planung können die Chancen auf Bewilligung der Fördermittel deutlich erhöhen. In den Wohnberatungsstellen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungsanpassung e.V. können Sie sich bezüglich Ihres Umbauvorhabens und der Beantragung von Fördermitteln beraten lassen. Auf www.wohnungsanpassung-bag.de/ finden Sie, sortiert nach Bundesländern, die Kontaktdaten der nächstgelegenen Wohnberatungsstelle.

 

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