Kurze Vorstellung der Interviewpartner

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht und Steuerberater Prof. Dr. Joerg Andres ist als Gesellschafter-Geschäftsführer der DR. ANDRES Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, Düsseldorf, u.a. im Bereich Erbrecht/Steuerrecht/Vermögensnachfolge tätig. Zudem lehrt er seit mehr als 15 Jahren an mehreren Hochschulen. Als Keynote-Speaker, Autor und auf dem YouTube-Kanal „Andresrecht“ nimmt er durch seine Beiträge Einfluss auf die Weiterentwicklung des deutschen Erb- und digitalen Steuerrechts.

Dr. Carola Einhaus ist als selbständige Rechtsanwältin in Düsseldorf tätig. Sie ist spezialisiert auf die Beratung und Vertretung von Privatpersonen nach dem Erbfall. Über besondere Expertise verfügt Frau Dr. Einhaus bei der Auseinandersetzung von Miterbengemeinschaften und der Geltendmachung sowie Abwehr von Pflichtteils- und Erbansprüchen, www.einhaus-selter.de

miCARE: Was genau macht ein Testamentsvollstrecker?

Der Testamentsvollstrecker hat gem. § 2203 BGB die letztwilligen Verfügungen des Erblassers zur Ausführung zu bringen.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine sogenannte Abwicklungsvollstreckung, die den ganzen Nachlass umfasst, das heißt, der Testamentsvollstrecker arrangiert die Eröffnung des Testaments, beantragt das Testamentsvollstrecker-Zeugnis sowie den Erbschein, bezahlt die Bestattungskosten, kehrt Vermächtnisse aus und erfüllt geltend gemachte Pflichtteilsansprüche. Mit der vollständigen Liquidierung des Nachlasses ist die Aufgabe des Testamentsvollstreckers erledigt.

Der Erblasser kann aber auch eine sogenannte Dauertestamentsvollstreckung anordnen. Das macht Sinn, wenn der Erbe noch minderjährig ist oder zur Verschwendung neigt.

Schließlich besteht die Möglichkeit, Testamentsvollstreckung nur für spezielle Aufgaben anzuordnen. In Betracht kommen hier zum Beispiel die Überwachung der Auskehr nur eines Vermächtnisses oder die Kontrolle des Vorerben. Maßstab des Handelns für den Testamentsvollstrecker ist ausschließlich der im Testament dokumentierte Wille des Erblassers, sofern dieser mit dem Gesetz im Einklang steht.  

miCARE: Wie sucht man einen vertrauenswürdigen Testamentsvollstrecker? Woran erkennt man, ob ein Testamentsvollstrecker kompetent ist?

„Testamentsvollstrecker“ ist keine geschützte Bezeichnung. Das kann im Grunde jede(r) sein. Der Rechtsanwalt, die Steuerberaterin, die Freundin, der Onkel, sogar der Erbe selbst. Ob jemand als Testamentsvollstrecker für die jeweilige Aufgabe geeignet ist, entscheidet allein der Erblasser. Er weiß, ob die jeweilige Person fachlich kompetent und menschlich integer ist. Im Idealfall sollte der Testamentsvollstrecker jemand sein, den man wirklich gut kennt, mit dem man schon einige 'Stürme' durchlebt hat, von dem man weiß, dass Verlass auf ihn ist. Das Amt des Testamentsvollstreckers ist mitunter sehr lukrativ und wird daher von vielen angestrebt. Es ist aber auch ein sehr verantwortungsvolles, schwieriges Amt, das in verantwortungsvolle Hände gehört.

miCARE: Ab wann bindet man einen Testamentsvollstrecker am besten ein?

So schnell wie möglich! Vor der Abfassung des Testaments und der Benennung eines Testamentsvollstreckers darin sollte unbedingt intensiv mit der betreffenden Person gesprochen werden. Sie muss den wahren letzten Willen des Erblassers im Detail kennen und dann auch für sich entscheiden dürfen, ob sie für dessen Durchsetzung die geeignete Person ist. Der Erblasser kann bei dieser Gelegenheit auch noch einmal seinen zukünftigen Testamentsvollstrecker prüfen. Es empfiehlt sich, offen das Thema „Vergütung“ anzusprechen. Freunde wollen häufig auf eine solche verzichten. Das ist aber nicht anzuraten. Eine Testamentsvollstreckung ist mitunter anstrengend und aufwendig. Eine ordentliche Vergütung motiviert, damit die Testamentsvollstreckung nicht am Ende erlahmt.

miCARE: In der Rückschau, welche Fallstricke sollte man in seinem Testament am besten vermeiden?

Fehleinschätzungen und zu optimistische Annahmen. Diese können sowohl die Form der Testamentsvollstreckung betreffen als auch die Person des Testamentsvollstreckers. Wird die Form der bloßen Abwicklungs-Testamentsvollstreckung gewählt, kann sich hinterher herausstellen, dass eine Dauer-Testamentsvollstreckung das Vermögen vor einer schnellen Erosion bewahrt hätte.
Ebenso kann die Person des Testamentsvollstreckers sich als Fehlbesetzung herausstellen.
Entweder lebt der Testamentsvollstrecker zum Zeitpunkt des Erbfalls schon nicht mehr oder möchte das Amt gar nicht erst antreten.
Oder eine Benennung eines Ersatzkandidaten wurde versäumt und das Gericht hat dann mit großer Treffgenauigkeit genau die Person aus der Verwandtschaft ausgewählt, die aus Sicht des Erblassers am wenigsten geeignet schien.
Daher gehört zur Benennung eines Testamentsvollstreckers mindestens die Benennung eines (besser zwei oder drei) Ersatzkandidaten und auch die Ansage, wer das Amt keinesfalls übernehmen soll.

miCARE: Was passiert, wenn man geschäftsfähig ein Testament verfasst und darin einen Testamentsvollstrecker benannt hat, zum Todeszeitpunkt jedoch unter Betreuung steht?

Die Wirksamkeit der Einsetzung des Testamentsvollstreckers bleibt hiervon unberührt. Wichtiger erscheint die Frage, ob man die Wirksamkeit des eigenen Testaments hat überprüfen lassen.
Schließlich wäre es aus Sicht des Erblassers – wenn er es denn noch erleben würde – durchaus ärgerlich, dass anstelle der im Testament niedergelegten, doch die gesetzliche Erbfolge greift, weil das ausgedruckte Testament lediglich handschriftlich unterzeichnet, nicht aber handschriftlich geschrieben worden war, wie es für die Formwirksamkeit erforderlich ist.

 

 

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