Hohe Berge, tiefe Schatten – Keine Pflicht-Pflegeversicherung für Schweizer

Die Schweiz lockt junge und qualifizierte Arbeitskräfte aus dem benachbarten Ausland mit attraktiven Löhnen. Eine Pflegekraft, die hierzulande 40.000 € brutto verdient, wird in der Schweiz mit 90.000 CHF (93.578,94 €) entlohnt. Dafür sind die Lebenshaltungskosten höher, zumal am Lebensende. Was passiert, wenn man zum Pflegefall wird? 
 
In der Schweiz gibt es keine (zentral organisierte) verpflichtende Pflegeversicherung. Ein Platz in einem Schweizer Pflegeheim kostet durchschnittlich 8.000–11.000 CHF im Monat, die also ohne private Vorsorge vollständig aus Eigenmitteln zu leisten sind. Allerdings ist auch bei dem zuvor erwähnten Lohn keine Rente zu erwarten, die über den vorherigen Bruttoeinkünften liegt, es ist also private Vorsorge erforderlich. 
 
Die Grundversorgung erfolgt zunächst über Ärzte und Krankenhäuser, die Kosten werden von der Krankenversicherung getragen (1. Säule des schweizerischen Gesundheitssystems). Hinzu kommt eine Mindestvorsorge, die dem Bürger obliegt (2. Säule) und die jeder für sich persönlich versichern muss. Eine freiwillige Zusatz- oder Höherversicherung kann ebenfalls abgeschlossen werden und könnte als 3. Säule bezeichnet werden. Die Grundversorgung wird vom Staat aus Steuermitteln finanziert und wird teilweise über die Bundesregierung, teilweise über die Kantone, Gemeinden und Städte organisiert. Sozialabgaben sind von den Bürgern hierfür nicht zu leisten. 
 
Je nach Art der Erkrankung erfolgt die Leistungs-Abrechnung nach den Maßgaben des Krankenversicherungsgesetzes (KVG), des Gesetzes über die Unfallversicherung (UVG), des Gesetzes über die Invalidenversicherung (IVG), des Gesetzes über die Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHVG) und des Gesetzes über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG). So wird eine Person, die nach einem Unfall pflegebedürftig wird, anders abgerechnet, als eine Person, die an einer degenerativen oder demenziellen Krankheit leidet. 
 
Neben einer evtl. Invalidenrente wird bei Vorliegen einer Hilflosigkeit eine so genannte Hilflosenentschädigung gezahlt. Diese beträgt: 
 
Bei leichter Hilflosigkeit 239,00 CHF/Monat
bei mittlerer Hilflosigkeit 598 CHF/Monat
bei schwerer Hilflosigkeit 956 CHF/Monat
 
Die Zahlungen dienen zur Deckung der Kosten, die durch 
 
- die Hilfe Dritter, 
- dauernde Pflege und 
- persönliche Überwachung
 
verursacht werden. 
 
Ist eine Person auf Dauer hilflos und auf Unterstützung zur Lebensführung angewiesen, kann zusätzlich zur Hilflosenentschädigung ein Assistenzbetrag beantragt werden. 
 
Hierzu ist der Hilfebedarf durch einen Arzt oder einen Gutachter der Invalidenversicherung festzustellen. Der Hilfebedarf wird in der Regel anerkannt, wenn in den folgenden Bereichen während mindestens drei Monaten regelmäßig der Hilfe bedürfen: 
 
1. alltägliche Lebensverrichtungen
(An-/Auskleiden, Aufstehen/Absitzen, Essen usw.); 
2. Haushaltsführung; 
3. gesellschaftliche Teilhabe und Freizeitgestaltung; 
4. Erziehung und Kinderbetreuung; 
5. Ausübung einer gemeinnützigen oder ehrenamtlichen Tätigkeit; 
6. berufliche Aus- und Weiterbildung; 
7. Ausübung einer Erwerbstätigkeit auf dem regulären Arbeitsmarkt; 
8. Überwachung während des Tages; 
9. Nachtdienst (Überwachung und Hilfe). 
 
Der Assistenzbeitrag beträgt 33,50 CHF/Stunde und entspricht am ehesten unserer Pflegesachleistung. Muss die Assistenzperson für die benötigten Hilfeleistungen in den Bereichen e) - g) gemäß Ziffer 4 aufgrund der Beeinträchtigung des Pflegebedürftigen über besondere Qualifikationen verfügen, so beträgt der Assistenzbeitrag 50,20 CHF/Stunde. 
Der Ansatz für den Nachtdienst wird im Einzelfall und nach Intensität der zu erbringenden Hilfeleistung festgelegt. Er beträgt jedoch höchstens 160,50 CHF/Nacht. 
 
 

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